Hadis Blog

CAT | Apple

Ich hatte noch ganz wage in Erinnerung, dass man auf einem PC mit den Page Up und Page Down Tasten in irssi scrollen konnte. Page Up und Page Down werden auf einem MacBook üblicherweise mit Command + Pfeiltaste nach oben / unten simuliert. Dummerweise ist im Mac OS X Terminal diese Tastenkombination für das Scrollen des lokalen Zeilenbuffers vorgesehen, was sich nicht so gut mit irssi und screen verträgt.

Auf jeden Fall hab ich dank Google einen Blogeintrag gefunden, auf dem der Blogger genau dieses Problem kurz und knackig beschreibt: Shift + fn + Pfeiltaste nach oben / unten sind hier die Lösung. Vielen Dank an codeR, dass macht für mich irssi deutlich leichter zu bedienen.

· · · ·

Auf dem Blog von Gregor Biswanger, Spezialist in .NET-Architektur, Silverlight und agilen Prozessen habe ich neulich einen Artikel über das Windows Phone 7 gelesen. In diesem Artikel sollen die verschiedenen Gesichtspunkte der großen iPhone Plattform und der .NET Plattform auf dem Windows Phone 7 “ausführlich durchleuchtet” werden.. mal sehen, was wir so finden. Wenn man sich den Artikel mal genauer anschaut, versucht der Autor eigentlich immer nur zu sagen, was am iPhone nicht stimmt und was bei dem Windows Phone 7 viel besser sein würde. Als erstes werde ich die iPhone Passagen kommentieren, danach noch ein wenig auf das Windows Phone 7 eingehen. Fangen wir doch einfach mal an:

Als Beispiel sei hier das Copy & Paste genannt, das bei Windows CE bisher schon immer vorhanden war und beim Apple iPhone als revolutionäres Feature präsentiert wurde.

Bullshit-Alarm #1: Copy & Paste war in frühen Version des iPhone OS noch nicht vorhanden und wurde in Version 3.0 heiß erwartet, doch Apple hat das Recht ihre Implementierung von Copy & Paste als kleine “Revolution” zu verkaufen. Die Erfinder der Zwischenablage hatten Copy & Paste noch nicht auf das iPhone gebracht, weil noch nicht klar war, wie man die beste Benutzererfahrung erreichen sollte. Apple selbst weiß und hat es auch auf den Keynotes zugegeben, sie sind nicht die ersten, die Copy & Paste auf Mobiltelefonen zur Verfügung stellten, allerdings sind sie die Besten. Hier wird so ziemlich jeder iPhone User zustimmend nicken. Die Benutzer, die vor ihrem iPhone auch noch ein Windows Mobile Gerät ihr eigen nannten (ich gehöre auch dazu) werden zustimmend nicken und dabei eine lächelnde Miene ziehen.

Diese neue Art von Bedienung überblendende die wirkliche Technologie die dahinter steckte. Selbstverständliche Funktionen, die von einem gängigen Mobiletelefon zu erwarten sind, waren nicht im iPhone inbegriffen. Als Beispiel wäre die Verwendung von eigenen Musiktiteln als Klingelton. Eine weitere Liste ist hier zu finden:http://iphone.macworld.com/2007/06/obvious_missing_features.php. Doch das spielte keine ernstzunehmende Rolle. Denn der WOW-Effekt übertrumpfte hierbei.

Bullshit-Alarm #2: Der Autor verweist hier einen Artikel aus dem Juni 2007. Das erste iPhone wurde im Januar 2007 vorgestellt, in Deutschland war es sogar erst im November 2007 verfügbar. Da das iPhone OS 2.0, welches das erste iPhone OS mit Unterstützung von Drittanbieter-Software war, mit dem iPhone 3G vorgestellt wurde, gab es zum Zeitpunkt des verlinkten Artikels ziemlich viele Mängel. Mängel, die auf Grund von Zeitdruck entstanden, da Apple hier wegen des Marktstarts Defizite in Kauf nehmen musste, nach dem die Gerüchte um ein Telefon aus dem Hause Apple verdichteten. Mittlerweile kann der Benutzer des iPhone OS natürlich eigene Klingeltöne (auch Musiktitel) einstellen, MMS verschicken (wer tut das überhaupt? Mail anyone?) und aus über 140.000 Apps aus dem App Store wählen. Der erwähnte WOW-Effekt, der bei Windows Vista eigentlich auch auftreten sollte – zumindest laut der Werbung, entstand zurecht, denn die Bedienung des iPhones – das Anfassen von den eigenen Medieninhalten – gab es bisher noch nicht. Darauf freue mich schon besonders beim iPad. Meine digitalen Fotos wieder berühren zu können, sie mit Freunden persönlich teilen zu können.

Einen weiteren Punkt zur Performance schaffte Apple durch die „einfache“ technische Architektur. Es kann jeweils auf dem iPhone nur eine Anwendung (App) ausgeführt werden und unterstützt somit offiziell kein Multi-Tasking, womit hier der ganzwertigen Speicher für die jeweilige App zur Verfügung steht. Das wären die wichtigsten Aspekte, warum Apple die top Geschwindigkeit erzielen konnte.

Bullshit-Alarm #3: Das iPhone OS unterstützt seit der ersten Version Multitasking. Es ist bisher lediglich Drittanbietern nicht erlaubt worden, ihre Anwendungen im Hintergrund weiterlaufen zu lassen. Dies hat auch seine Gründe: die lange Akku-Laufzeit des iPhones wird mit dieser Beschränkung erreicht. Ich erinnere mich noch zu gut daran, dass ich mit dem Windows Live Messenger im Hintergrund auf meinem Windows Mobile 6 Gerät von HTC keine paar Stunden online bleiben konnte, da die Stromversorgung zu schnell den Geist aufgab. Die Push Notifications des iPhone OS stellen hier eine sehr gute und elegante Lösung dar. Doch auch hier hat Apple eingesehen, dass es dennoch Anwendungsbeispiele für Multitasking gibt, zu denen auch Drittanbieter Zugang bekommen müssen. Steve Jobs sagte dazu (frei zitiert):

We are not the first at this party, but we are going to be the best

Und das werden sie auch wieder sein. Die Apple Techniker haben es geschafft Multitasking mit dennoch sehr guter Akku-Laufzeit zu vereinen und dabei die Reaktionszeit des Betriebssystems und der Anwendungen nicht all zu stark negativ zu beeinflussen. Dies ist bisher auf einem Windows Mobile Gerät noch nicht möglich. Wenn meine Freundin ihr Windows Mobile Gerät so benutzen würde wie ich mein iPhone, müsste sie es alle paar Stunden neustarten, damit das Smartphone nicht all zu träge arbeitet.

Doch besonders negativ ist das der Entwickler ein NDA unterzeichnen muss, um an das gewünschte SDK zu kommen. Apple ist in dieser Hinsicht etwas geschlossener.

Des Weiteren erkundigte ich mich bei erfahrenen iPhone Entwicklern und bekam meist enttäuschte Antworten aus der Community. Es soll leider sehr wenig Support und Informationen zur Entwicklung geben und Apple reagiere oft mit einer Art Arroganz bei einfachen Fragestellungen, was mich sehr verwundern lässt.

Opera Mini auf dem iPhone

Opera Mini auf dem iPhone

Bullshit-Alarm #4: Ich habe bewusst den vierten Bullshit-Alarm durchgestrichen, da der letzte Punkt wahr ist. Besonders im ersten Jahr des AppStores haben sich wirklich viele Entwickler stark über die Restriktivität von Apple beschwert. Doch gerade in dem letzten halben Jahr hat sich Apple auch sehr bemüht die Fehler zu minimieren. So wurden auch mittlerweile Apps zugelassen, die in eindeutiger Konkurrenz zu den Apps aus dem Hause Apple stehen, wie z.B. Opera Mini. Auch der Punkt, dass man ein NDA unterzeichnen muss stimmt. Allerdings steht in der Vereinbarung auch, dass die NDA nur für nicht veröffentlichte Versionen des iPhone SDK gilt, also für Beta Versionen, an die nur eingetragene iPhone Developer Zugriff haben. Über finale, veröffentlichte Versionen darf natürlich öffentlich diskutiert werden wie man möchte.

Als nächstes geht der Autor nun endlich vom vorsichtigen iPhone-gebashe zum Windows Phone 7 über. Das Windows Phone 7 kombiniere die Business Intelligence von Microsoft und die erstaunliche Fassade des iPhones. Das klingt ja fast so, als ob das iPhone nur eine tolle Fassade vorgaukle und nichts gutes im Unterbau existiert. Na na, wir wollen hier nicht “verheimlichen”, dass das iPhone OS auf Mac OS X und damit auf UNIX basiert. Was ist Unix? Das wohl ausgereifteste Betriebssystem der Welt. Ausgereift einfach, weil es schon seit Ewigkeiten vorhanden ist. Mit den Schlüsseltechnologien Cocoa Touch für die schönen Oberflächen, Multimedia (Quicktime, H.264, OpenGL ES) und den Core Services (UNIX-Internettechnologien usw.) ist das iPhone OS bestens für die Anwendungsentwicklung ausgestattet. Auch diesen kleinen Seitenhieb des Autors hätten wir abgehandelt: das iPhone bietet mehr als eine wunderbare Oberfläche – es ist das wohl fortschrittlichste Betriebssystem auf einem Mobilgerät.

Ich denke, dass Microsoft mit dem Windows Phone 7 durch aus einen Erfolg verbuchen wird bzw. verbuchen kann. Die Oberfläche sieht durch aus modern aus und ist dabei auch ganz simpel. Ich denke, dass viele Anwender, die über die Oberfläche von Windows Mobile gemeckert haben, mit dem Windows Phone 7 durchaus was praktikables erhalten. Die Oberfläche sollte nun das geringste Problem für den Erfolg darstellen, falls sie auch konsequent umgesetzt wurde und nicht wie bisher lediglich irgendwelche Aufsätze auf die alte und schlechte Oberfläche fabriziert wurden. Was der Autor immerhin auch erwähnt ist, dass das Windows Phone 7 keineswegs Multitasking beherrscht (Rückblick: das iPhone OS 4.0 implementiert Multitasking für Drittanbieter-Applikationen – auf eine sehr anwenderfreundliche Art).

Abschließend muss noch festgehalten werden, dass der Autor des Beitrags korrekterweise erwähnt, dass für die Entwicklung und Distribution von iPhone Apps ein Entwickler-Zugang zum AppStore gegen eine kleine jährliche Gebühr benötigt wird. Das gleiche versucht jetzt Microsoft mit dem MarketPlace für das Windows Phone 7 durchzusetzen. Entwickler können ihre Anwendungen nur über den MarketPlace auf Windows Phone 7 Geräte verteilen, auch gegen eine kleine Gebühr. Er hält auch die Vorteile dieser Art von Anwendungsdistribution fest, strengere Qualitätskontrollen führen zu einer besseren Nutzungserfahrung. Gut, dass es diese Vorteile schon seit der ersten Version des AppStores auch gibt.

No tags